SHERLOCK HOLMES

Sherlock Holmes ist eine vom britischen Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle geschaffene Kunstfigur, die in seinen zur Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts spielenden Romanen als Detektiv tätig ist.

Besondere Bedeutung für die Kriminalliteratur erlangte Holmes durch seine neuartige forensische Arbeitsmethode, die ausschließlich auf detailgenauer Beobachtung und nüchterner Schlussfolgerung beruht. Er gilt bis heute weithin als Symbol erfolgreichen analytisch-rationalen Denkens und als Stereotyp des Privatdetektivs. Das Werkverzeichnis um den Detektiv umfasst 56 Kurzgeschichten und vier Romane.

Die Sherlock-Holmes-Serie

Allgemeines

Sherlock Holmes (rechts) und Dr. Watson, Illustration von Sidney Paget
Sherlock Holmes lebt in der Baker Street 221b, London, einer damals fiktiven Adresse. Dort beginnen oft die Geschichten mit ratsuchenden Klienten, die von Holmes’ besonderen Fähigkeiten gehört haben und den Detektiv aufsuchen, um ihn um Hilfe zu bitten. Sherlock Holmes arbeitet als „beratender Detektiv“ (im Original: „consulting detective“), das heißt, er löst Probleme, die ihm die Klienten übertragen. Holmes sieht sich damit als Ergänzung oder Alternative zum police detective (dt.: Kriminalpolizist). Mitunter bittet auch die staatliche Polizei (z. B. in Gestalt des Inspektors Lestrade von Scotland Yard) um Holmes’ Unterstützung. Der Detektiv kommt dabei stets zu anderen Schlussfolgerungen als die staatlichen Kriminalisten und versucht, die Täter-Profile der Polizei zu widerlegen. Manchmal wird Holmes durch Watsons Neuigkeiten aus der Londoner Gesellschaft oder die Zeitungslektüre selbst auf für ihn interessante Geschehnisse aufmerksam und nimmt ohne Auftrag die Ermittlung auf oder mischt sich in die Arbeit der Polizei ein. Als „letzte Instanz“ greift er häufig in dem Moment ein, wenn anderen die Klärung der Situation geradezu unmöglich erscheint. Die Aufklärungsarbeit des Detektivs steht im Mittelpunkt der Geschichten, die sich nicht alle mit der Verbrechensbekämpfung befassen: Laut Doyles eigener Schätzung ist in etwa einem Viertel der Geschichten gar kein Verbrechen begangen worden.

Erzählperspektive


Erzähler der meisten Geschichten ist der praktisch veranlagte, bodenständige Dr. Watson, der enge Freund und zeitweilige Mitbewohner des Detektivs, dem die Rolle des Chronisten zufällt.

In vier Geschichten wird Holmes selbst zum Erzähler: in The Lion’s Mane (dt.: Die Löwenmähne) und The Blanched Soldier (dt.: Der erbleichte Soldat) ist Holmes der alleinige Ich-Erzähler; The Musgrave Ritual (dt: Das Musgrave-Ritual) und The Gloria Scott (dt.: Die Gloria Scott) sind in Form einer Schachtelgeschichte gestaltet: die Binnenhandlung ist eine von Holmes erzählte Erinnerung, Watson wird zum Zuhörer und Erzähler der kurz einleitenden Rahmenhandlung.

Zwei weitere Geschichten, His Last Bow (dt.: Seine Abschiedsvorstellung) und The Mazarine Stone (dt.: Der Mazarin-Stein) werden in der dritten Person erzählt. Im Roman A Study in Scarlet (dt.: Eine Studie in Scharlachrot) wird die Ich-Erzählung Watsons durch einen längeren Einschub über Ereignisse der Vergangenheit unterbrochen, der ebenfalls in der dritten Person erzählt wird.

Themen und Stil

Blue plaque in der Baker Street
Die Themen der Geschichten sind breit gefächert. Es geht um zwischenmenschliche Probleme in allen Gesellschaftsschichten, geheime Organisationen, kriminelle Bünde, Kryptogramme, Diebstähle, verschwundene Personen, Drohungen und Erpressungen, scheinbar unerklärliche Todesfälle, Staatsgeheimnisse und Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit.

In der Regel steht ein außergewöhnlich intelligentes Rätsel oder Verbrechen im Vordergrund. Neben besonders scharfsinnigen kriminellen Plänen und deren Vereitlung geht es häufig um die unbewältigte Vergangenheit eines Menschen, die plötzlich in sein jetziges Leben einbricht. Der Autor verarbeitet in seinen Geschichten auch eigene Einsichten und Meinungen und bringt in einigen Fällen ein soziales oder politisches Anliegen zum Ausdruck. So lässt Holmes bspw. in einigen Geschichten die Täter entkommen, da er die Tat für moralisch gerechtfertigt hält oder der Ansicht ist, dass das Leben die Schuldigen bereits genug bestraft hat.

Eine wichtige Funktion für die Wirkung der Geschichten spielen ihre pointierten Dialoge zwischen Holmes und anderen, oft Watson. Ein Beispiel:


„‚Gibt es noch irgendeinen anderen Umstand, auf den Sie meine Aufmerksamkeit lenken möchten?‘ – ‚Auf das merkwürdige Ereignis mit dem Hund in der Nacht.‘ – ‚Der Hund hat in der Nacht nichts getan.‘ – ‚Genau das war eben das merkwürdige Ereignis‘, bemerkte Sherlock Holmes.“

Entstehung


1886 skizzierte Doyle, während er als Arzt in Southsea, Hampshire, tätig war, erste Entwürfe zu einer Geschichte um einen rational arbeitenden Detektiv namens Sherrinford Holmes, der mit seinem Freund Ormond Sacker in der Baker Street 221b in London lebt.[4] Doyles Anliegen war, eine neue Art von Kriminalgeschichte zu schreiben, in der nicht der Zufall, sondern die Beobachtung und Analyse zur Lösung der Fälle führen würde: “where science would take the place of chance.”

Rückblickend sagte Doyle in einem Interview im Jahre 1927: "In meiner Freizeit las ich Detektivgeschichten. Mich störte sehr, wie altmodisch sie geschrieben waren. Der Detektiv kam scheinbar immer zu einer Lösung. Entweder durch Zufall, oder es wurde überhaupt nicht erwähnt, wie. Das stimmte mich nachdenklich. Ich fand, man will eine Erklärung, wie er zu seinen Schlussfolgerungen kommt. So hatte ich die Idee, wissenschaftliche Methoden in die Detektivarbeit mit einzubeziehen."

1887 wurde die erste Geschichte, der Roman A Study in Scarlet (dt.: Eine Studie in Scharlachrot), in Beeton’s Christmas Annual veröffentlicht. Doyle hatte die Hauptcharaktere mittlerweile in Sherlock Holmes und John Watson umbenannt. Der erste Roman fand bei Publikum und Kritik wenig Beachtung, erregte aber die Aufmerksamkeit des amerikanischen Herausgebers John Marshall Stoddart, der eine Kriminalgeschichte für seine geplante britische Literatur-Zeitschrift Lippinscott’s suchte. 1890 veröffentlichte er The Sign of Four (dt.: Das Zeichen der Vier). Auch dieser zweite Roman blieb weitgehend unbeachtet. Erst die Veröffentlichung der ersten kürzeren Erzählung A Scandal in Bohemia (dt.: Ein Skandal in Böhmen) im The Strand Magazine 1891 erreichte ein breites Publikum und führte zu einer wachsenden Popularität der Geschichten und des Hauptcharakters Sherlock Holmes.

Widmung


Den ersten Sammelband Die Abenteuer des Sherlock Holmes widmete Doyle dem schon damals berühmten Mediziner Joseph Bell, Doyles Dozent und späterer Vorgesetzter an der Universität von Edinburgh. Joseph Bell erstaunte seine Patienten damit, dass er bereits erste Diagnosen erstellte, bevor die Kranken ihr Anliegen schilderten. Bell betrachtete und beobachtete seine Mitmenschen sehr genau und zog daraus seine Schlüsse. Im Mai 1892 schrieb Doyle an Bell: „Sherlock Holmes habe ich ganz eindeutig Ihnen zu verdanken.“


Holmes’ „Tod“
Holmes und Moriarty im tödlichen Kampf

Die Reichenbachfälle erreicht man heutzutage via „Sherlock-Holmes-Fußweg“.
Da das regelmäßige Verfassen neuer Holmes-Geschichten zu viel seiner Zeit in Anspruch nahm, die er gerne für das Schreiben von historischen Romanen und Abhandlungen aufgebracht hätte, versuchte Doyle sich von der Pflicht zu befreien, weitere Erzählungen rund um den Detektiv zu verfassen. So forderte er vom Strand-Magazin immer höhere Summen für weitere Geschichten, bis er für zwölf Kurzgeschichten 1000 Pfund in Rechnung stellte. Aufgrund des großen kommerziellen Erfolges der Detektivgeschichten konnten diese hohen Honorare bezahlt werden.

Deshalb plante Conan Doyle 1893, die Reihe mit dem Tod des Detektivs abzuschließen. Die Mutter des Schriftstellers, eine begeisterte Leserin der Geschichten, versuchte vergeblich ihren Sohn von dem Vorhaben abzubringen. Im selben Jahr reiste Doyle mit seiner an Tuberkulose erkrankten Frau in die Schweiz, um an einer Kur teilzunehmen. Bei einem Besuch der Reichenbachfälle kam ihm die Idee für die letzte Kurzgeschichte, die das Leben von Holmes beenden sollte.

Sherlock Holmes in Meiringen, Schweiz. Plastik von John Doubleday
Mit James Moriarty erschuf Doyle Holmes’ gefährlichsten Gegner, der dem Detektiv intellektuell ebenbürtig ist, seine Fähigkeiten aber als genialer Verbrecher zum Schaden der Menschheit einsetzt. Moriarty ist Holmes’ Alter Ego, ein „dunkles Spiegelbild“ des Helden der Geschichten. In The Final Problem (dt.: Das letzte Problem), der letzten Geschichte in der Anthologie The Memoirs of Sherlock Holmes (dt. Die Memoiren des Sherlock Holmes), kommt es zu einem Kampf der Kontrahenten Holmes und Moriarty, bei dem sie schließlich gemeinsam in die Reichenbachfälle bei Meiringen in der Schweiz stürzen. Ein kompliziertes Kesselsystem macht die Bergung eventueller sterblicher Überreste unmöglich.

Nach Veröffentlichung vermerkte Doyle im Dezember 1893 in seinem Tagebuch "Killed Holmes".
1896 verteidigte Doyle seine Entscheidung mit den Worten: “If I had not killed him, he certainly would have killed me.” (deutsch: „Wenn ich ihn nicht getötet hätte, hätte er zweifellos mich getötet.“)

Die große Popularität, die Holmes inzwischen erlangt hatte, führte zu einer öffentlichen Trauer, so dass sich enttäuschte Leser in London schwarze Schleifen um den Oberarm banden oder schwarze Krawatten trugen. Doyle erhielt im Folgenden viele Briefe von Lesern der Detektivgeschichten, die sich empört über das abrupte Ende der Geschichten äußerten, über 20.000 Kunden kündigten zudem das Abonnement des Strand-Magazins.


Holmes’ „Wiederauferstehung“


1901 wurde Doyle von einem Freund auf eine Legende aufmerksam gemacht, nach der eine Familie im Dartmoor von einem geheimnisvollen Geisterhund verfolgt wurde. Doyle war fasziniert von dem Stoff und entschied, daraus einen neuen Roman mit Sherlock Holmes zu machen, der vor seinem Tod in der letzten Kurzgeschichte spielen sollte. Der große Erfolg des Romans The Hound of the Baskervilles (dt.: Der Hund der Baskervilles), verbunden mit den enormen Summen Geld, die Doyle von seinem Verleger in Aussicht gestellt bekam, veranlasste ihn dazu, Sherlock Holmes’ Tod literarisch zu revidieren. In der auf den Roman folgenden Kurzgeschichte The Empty House (dt.: Das leere Haus), lässt Doyle Holmes berichten, dass er Moriartys Griff in letzter Sekunde dank der Beherrschung einer japanischen Kampfkunst entgleiten konnte und danach die Klippen hinaufkletterte, so dass nur Moriarty den Tod in den Wasserfällen fand. Als Holmes für tot erklärt wurde, nutzte er diese Gelegenheit, um vor Moriartys Komplizen zu fliehen, der den Vorgang beobachten konnte und versuchte, Holmes mit einem Steinwurf zu erschlagen. Zugleich plante Holmes, im entscheidenden Moment nach London zurückzukehren, um dort dem mächtigsten Verbündeten Moriartys, Colonel Moran, das Handwerk zu legen und die kriminelle Vereinigung endgültig zu zerschlagen. Holmes verbrachte die drei Jahre im Ausland mit Expeditionsreisen und wissenschaftlichen Studien, sein Bruder Mycroft war eingeweiht und finanzierte ihn.

In der Geschichte spricht Holmes von Baritsu. Dies ist ein Druckfehler der Erstausgabe, gemeint ist die damals besonders in London bekannte und im Bürgertum populäre Selbstverteidigungskunst Bartitsu, eine Mischung aus Boxen, Savate, Ringen und japanischem Jiu Jitsu sowie Kampf mit dem Spazierstock, dem Stockkampf nach Vigny.

Mit dieser Geschichte begann Doyles zweite Schaffensperiode in Bezug auf Sherlock Holmes, in der Doyle drei Kurzgeschichtensammlungen und den letzten Roman The Valley of Fear (dt.: Das Tal der Angst) verfasste. 1927 erschien im Strand-Magazin die letzte Holmes-Geschichte The Adventure of Shoscombe Old Place (dt.: Shoscombe Old Place).

Realitätsbezug und Philosophie


In seinen Geschichten um Sherlock Holmes gelang es Conan Doyle, eine in sich geschlossene, fiktionale Welt zu erschaffen, die dabei so real erscheint, dass bis ins 21. Jahrhundert die Legende existiert, der berühmte Detektiv habe tatsächlich gelebt.


Die Fälle erhalten einen authentischen Charakter, da sie meist als Erinnerungen Watsons dargestellt werden. Die Geschichten spielen vor einer zeittypischen Kulisse und beziehen sowohl Details des viktorianischen Lebensstils und aktueller Zeitereignisse als auch die koloniale Exotik des Britischen Empires mit ein. Aufgrund ihrer realitätsgerechten Beschreibungen, etwa von Charakteren und Schauplätzen, lassen sich die Geschichten der Tradition des Realismus zurechnen.

Die Geschichten bestärken den Leser in seinem Vertrauen auf Naturwissenschaft und Technik, da durch rationales Denken scheinbar unfassbare Situationen und Rätsel stets aufgelöst werden. Dem viktorianischen Zeitgeist entsprechend kann demnach jedes Ereignis empirisch erklärt und somit Ordnung in eine chaotische Welt gebracht werden. Die Geschichten stützen tendenziell die gesellschaftlichen Vorstellungen der Zeit wie Standesdenken, Xenophobie und Chauvinismus, spiegeln aber auch Conan Doyles Engagement für unterdrückte und in Not geratene Menschen wider.

Die in Sherlock Holmes verwirklichte Arbeitsmethode spiegelt den Wissenschaftsoptimismus der Entstehungszeit wider. Sie steht in Verbindung mit den Ideen der Aufklärung und vernunftorientierter Philosophie. Ihre Wurzeln liegen in Conan Doyles damaliger rational geprägter Vorstellungswelt und seiner wissenschaftlich geschulten Beobachtungsgabe. Doyle war beeindruckt von den außergewöhnlichen diagnostischen Fähigkeiten seines Medizinprofessors Joseph Bell und beschreibt Holmes’ Vorgehensweise so: “the hero would treat crime as Dr Bell treated disease.” (deutsch: „Der Held würde Verbrechen so behandeln wie Dr. Bell Krankheiten behandelte.“)

Doyle bezeichnet Holmes’ Methode, zu seinen Schlussfolgerungen zu kommen, als Deduktion (eng. „deduction“). Umberto Eco und Thomas A. Sebeok verweisen zudem auf die Ähnlichkeiten mit der Methode der Abduktion gemäß der Philosophie von Charles S. Peirce

Arthur Conan Doyle

Sir Arthur Ignatius Conan Doyle, M.D. (* 22.
Mai 1859 in Edinburgh; † 7. Juli 1930 in Crowborough, Sussex) war britischer Arzt und Schriftsteller. Er veröffentlichte die Abenteuer des Sherlock Holmes und von dessen Freund Dr. Watson. Bekannt ist auch die Figur Professor Challenger aus seinem Roman Die vergessene Welt, die als Vorlage für zahlreiche Filme und eine mehrteilige Fernsehserie diente.

Leben


Arthur Conan Doyle wurde am 22. Mai 1859 in Edinburgh geboren. Doyles Vater Charles Altamont Doyle, ein irischstämmiger Beamter aus aristokratischem Hause, ließ ihn Medizin in Edinburgh studieren. Das Gymnasium besuchte er in den Jesuiten-Kollegien in Stonyhurst (Schottland) sowie Stella Matutina in Feldkirch (Österreich).

Ab 1880 unternahm Doyle als Schiffsarzt einige Reisen zur Antarktis und nach Afrika. Von 1882 bis 1890 führte er eine Arztpraxis in Southsea bei Portsmouth, verfasste in seiner Freizeit aber auch schon erste literarische Werke. 1887, mit 28 Jahren, veröffentlichte er die erste Geschichte des Detektivs Sherlock Holmes und seines Freundes Dr. Watson: A Study in Scarlet (dt. Eine Studie in Scharlachrot).

Die deduktive und kriminalanalytische Methode ist bezeichnend für die Figuren Doyles. Er, selber Arzt, dachte sich die Rolle des Dr. Watson zu. Sherlock Holmes stattete er mit Eigenschaften seines Lehrers an der Edinburgher Universität, Joseph Bell, aus. Die von Doyle in seinen Romanen beschriebenen Methoden der Kriminalistik, beispielsweise die Daktyloskopie, waren den Polizeimethoden ihrer Zeit voraus. Dies gilt insbesondere für die grundsätzlich wissenschaftlich orientierte Methodik bei der Verbrechensuntersuchung.

Arthur Conan Doyle 1890
1890 ging Doyle nach London. Ab 1891 konnte er seinen Lebensunterhalt durch die Schriftstellerei bestreiten, nachdem im gleichen Jahr die erste Detektiverzählung A Scandal in Bohemia (dt.: Ein Skandal in Böhmen) im The Strand-Magazin erschienen war.

1893 entschied Conan Doyle, das Leben seines Protagonisten Holmes zu beenden, da das regelmäßige Verfassen neuer Holmes-Geschichten zu viel seiner Zeit in Anspruch nahm und er seine schriftstellerische Arbeit auf andere Werke konzentrieren wollte. Die Mutter des Schriftstellers, eine begeisterte Leserin der Geschichten, versuchte vergeblich, ihren Sohn von dem Vorhaben abzubringen. In der Erzählung The Final Problem (dt.: Das letzte Problem) stürzt Sherlock im Kampf mit seinem Widersacher Professor Moriarty die Reichenbachfälle bei Meiringen in der Schweiz hinab und wird von Watson für tot erklärt.

Im selben Jahr wurde Doyle Meister in der Freimaurerloge „Phoenix No. 257“ in Portsmouth.

Im Winter 1894 überquerte er in einem gewagten Unternehmen auf Skiern die Maienfelder Furka von Davos nach Arosa, wobei er von zwei Einheimischen begleitet wurde. Das Ereignis wurde gut 100 Jahre später vom ORF in einem Fernsehfilm nachgestellt.

Mit historischen Romanen wie Rodney Stone, Sir Nigel und The White Company hatte Doyle weniger Erfolg, er selbst hielt sie für seine besten Arbeiten. Aus dieser Zeit stammen auch mystische Novellen wie The Parasite (1894) und Mystery of the Cloomber (1895).

Im Jahre 1896 ging Doyle nach Südafrika, um im Zweiten Burenkrieg zu kämpfen. Für seine Propagandatätigkeit in seinem 1900 veröffentlichten Buch The Great Boer War (dt.: Der große Burenkrieg) erhielt er 1902 seinen Ehrentitel Sir Arthur Conan Doyle.

Um 1900 erkrankte Doyle an Typhus und machte eine Reise nach Norfolk. Dort lernte er Fletcher Robinson kennen, der aus Devonshire kam, und im Dartmoor aufgewachsen war. Fletcher erzählte Doyle alte Legenden über seine Heimat, darunter einige Gruselgeschichten um einen Geisterhund. Diese inspirierten Doyle, einen Roman zu schreiben, in dem ein Geisterhund eine Familie bedroht. Doyle reiste ins Dartmoor, um ein wenig der realen Atmosphäre mit in das Buch aufnehmen zu können. Dort wurde ihm klar, dass er einen Helden in der Form eines Detektivs brauchte, der die mysteriösen Vorgänge untersuchte. Er entschloss sich, auf seine Figur Sherlock Holmes zurückzugreifen, obwohl er die Reihe einige Jahre zuvor für beendet erklärt hatte. Der Roman sollte demzufolge vor Holmes' Tod in der letzten Kurzgeschichte spielen.

Arthur Conan Doyle 1913
Der große Erfolg des 1903 erschienenen Romans The Hound of the Baskervilles (dt.: Der Hund der Baskervilles) veranlasste Doyle, Sherlock Holmes’ Tod in der auf den Roman folgenden Kurzgeschichte The Empty House (dt.: Das leere Haus) von 1905 literarisch zu revidieren.

Ab 1906 setzte er sich in mehreren Zeitungsartikeln für George Edalji ein, der zu Unrecht wegen Verstümmelung mehrerer Tiere verurteilt worden war.

In der folgenden Zeit erschuf Conan Doyle seinen zweiten sehr populären Charakter, Professor Challenger. Die vergessene Welt, in welcher der Charakter des Professors zum ersten Mal auftaucht, wurde 1912 publiziert und wird als sein bekanntester Roman außerhalb der Sherlock-Holmes-Reihe angesehen.

Doyles während des Ersten Weltkriegs veröffentlichte Texte zeigen teilweise antideutsche Tendenzen. In dieser Zeit fiel auch sein Sohn Kingsley.

Doyle begann sich verstärkt Zukunftsromanen in der Tradition von Jules Verne sowie dem Spiritismus und Mystizismus zu widmen und unternahm dazu auch Vortragsreisen.

Sir Arthur Conan Doyle (sitzend) mit seinem Sohn Adrian Doyle 1930
Unter anderem machte er die sogenannten Feen von Cottingley bekannt, gefälschte Fotos von Feen, an deren Echtheit er fest glaubte. Für Schlagzeilen sorgte seine öffentliche Kontroverse mit dem Zauberkünstler Harry Houdini. Die Freundschaft zwischen Doyle und Houdini zerbrach an zu unterschiedlichen Vorstellungen über den Spiritismus – Doyle akzeptierte nahezu jedes Medium als echt und glaubte sogar, Houdini selbst habe übernatürliche Fähigkeiten, während Houdini zeitlebens keine Séance erlebte, deren Effekte er nicht mit Zaubertricks hätte nachmachen können.

1927 erschien der letzte Sammelband mit Erzählungen vor Doyles Tod – The Casebook Of Sherlock Holmes (dt. Das Buch der Fälle).

Am 7. Juli 1930 starb Doyle in Folge eines Herzinfarkts in Windlesham, seinem Anwesen im Gebiet der Ortschaft Crowborough, Sussex. Er war zweimal verheiratet, von 1885 bis zu ihrem Tod 1906 mit Louisa (Louise) „Touie“ Hawkins und von 1907 bis zu seinem Tod mit Jean Leckie. Aus seiner ersten Ehe stammten seine Kinder Kingsley und Mary, aus seiner zweiten die Söhne Denis, Adrian und Tochter Jean, genannt „Billie“. Doyle wurde auf dem Friedhof des kleinen Ortes Minstead beerdigt, sein Grab ist bis heute dort erhalten geblieben.

Der Zieleinlauf von Dorando Pietri. Links der Kampfrichter Jack Andrew, rechts der Arzt Dr. Michael Bulger.
Olympia 1908 Anekdote
Bei den Olympischen Spielen 1908 in London berichtete Arthur Conan Doyle, der ein großer Sportfan war, für die Zeitung „Daily Mail“ über den Marathonlauf. Dorando Pietri hatte als erster das Ziel erreicht, doch da Kampfrichter und Ärzte ihm über die Ziellinie halfen, wurde der Läufer disqualifiziert. Doyles ausführlicher und emotionaler Bericht in der Daily Mail vom 25. Juli 1908 über den Zieleinlauf des geschwächten Italieners und ein gleichzeitig mit seinem Artikel veröffentlichter Leserbrief, in dem Doyle zu Spenden für Dorando Pietri aufrief, sind die Grundlage eines der bekanntesten Mythen der modernen Olympischen Spiele.

Doyles großes Engagement führte zu der weit verbreiteten, aber unwahren Legende, Doyle selbst habe Pietri über die Ziellinie geholfen. Dr. Michael Bulger, der auf einem Foto als Helfer zu sehen ist, wurde hierbei oft für Doyle gehalten.

Werke (Auswahl)
Sherlock Holmes

Detektivgeschichten ohne Sherlock Holmes 


The story of the Lost Special, 1898 (dt.: Der verschollene Zug)
The story of the man with the watches, 1898 (dt.: Die Geschichte des Mannes mit den Uhren)

Professor Challenger

The Lost World, 1912 (dt.: Die verlorene Welt / Die vergessene Welt)
The Poison Belt, 1913 (dt.: Im Giftstrom / Das Ende der Welt)
The Land of Mist, 1926 (dt.: Das Nebelland)
When the World Screamed, 1928 (Geschichte, dt.: Die Erde schreit / Als die Erde schrie)
The Disintegration Machine, 1929 (Geschichte, a. The Man Who Would Wreck the World, dt.: Die Desintegrationsmaschine)

Historische Romane

Micah Clarke, 1888
The White Company, 1891
The Great Shadow, 1892
The Refugees, 1883
Uncle Bernac: A Memory of the Empire, 1897 (dt.: Napoleon Bonaparte.
Aufzeichnungen eines französischen Edelmannes, Verl. F. Moeser Nachf., Leipzig und Berlin, 1920.)
Sir Nigel, 1906

Essays

The War in South Africa: Its Cause and Conduct, 1902
The Case of Oscar Slater, 1908

Sachbücher

The Great Boer War, 1900, (dt.: Der große Burenkrieg)
The History of Spiritualism, 1926

Weitere Werke (Auswahl)


Abenteuerromane
The Mystery of Cloomber, 1888

Erzählungen für junge Leser
The Mystery of Sasassa Valley, 1879 (dt.: Das Geheimnis von Sasassa Valley)
The mystery of uncle Jeremys household, 1887 (dt.: Das Geheimnis um Onkel Jeremys Haushalt)

Mystische Erzählungen
J. Habakuk Jephson's Statement, 1884 (dt.: Variation um das Geheimnis der Mary Celeste)
The Parasite, 1894

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